Aufbau und Teile der Violine

Aufbau der Violine:

Teile der Violine

Schnecke – Sie ist eine typisch barocke Verzierung und als solche von einem klassischen Instrument nicht wegzudenken. Hier kann ein Geigenbauer gut sein handwerkliches Geschick und sein Auge für eine harmonische Linienführung unter Beweis stellen. Klanglich hat sie nur insofern eine Auswirkung, dass sie wie jede Masse am Instrument Schwingung aufnimmt und somit Schwingungsenergie stiehlt; praktisch ist das nicht hörbar.

Wirbelkasten – In dem Wirbelkasten stecken die Wirbel und die Seiten werden hier auf die Wirbel aufgezogen.

Wirbel – Sie werden in der Regel aus drei alternativen Materialien hergestellt: Ebenholz, Palisander oder Buchsbaum. Sie sitzen nur mittels einer konischen Einpassung und werden mit einer Wirbelkreidenmischung abgeschmiert. Ab und zu tauchen auch die sogenannten Patentwirbel, vor allem bei Celli, auf. Mit ihnen wurde der Versuch gemacht, ständig schlecht laufende Wirbel der Vergangenheit angehören zu lassen. Aber auch Patentwirbel können schlecht eingepasst sein und dann funktionieren diese auch nicht. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Wirbel können wunderbar funktionieren, sofern sie perfekte Passung haben und gut gepflegt und behandelt werden.

Ober- und Untersattel – Sie werden auch aus Ebenholz gefertigt. Über sie werden die Saiten bzw. die Anhängesaite umgelenkt. Der Obersattel wird bei einer Griffbrettüberholung stets neu nachgepasst.

Griffbrett – Durch das ständige Niederdrücken der Finger und Saiten ist das Griffbrett einem starken Verschleiß ausgesetzt, richtige Löcher graben sich in das Holz. Aber nur eine glatte Oberfläche garantiert ein störungsfreies Spiel und sauberes Intonieren. Wegen des starken Verschleißes wurde schon sehr bald das widerstandsfähige Ebenholz für das Griffbrett eingesetzt, in früheren Zeiten wurde Ebenholz auf einen Fichtenkern furniert, mit dem Nachteil, dass diese nur ein- oder zweimal gehobelt werden können. Dafür waren diese Griffbretter aber schön leicht. Bei ganz billigen Instrumenten wurde weicheres (z. B. Birnen-) Holz verwendet und schwarz eingefärbt. Heute werden ausschließlich massive Griffbretter verwendet.

Einlagen – Sie gehört zu den Verzierungen am Instrument. Sie besteht aus einem dreifachen Span, der in der Decke und am Boden eingelassen wird. Oft wird behauptet, sie diene auch der Verhinderung von Rissen. Die Praxis zeigt jedoch, dass sich Risse trotz schönster und bestens verarbeiteter Einlagen nicht immer vermeiden lassen. Die Einlage kann aus den verschiedensten Hölzern (auch gefärbt) gefertigt sein, ferner aus Papier, Fischbein oder Kohlefaser.

Korpus – Der Korpus besteht aus Decke, Boden und den Zargen. Er hat die Aufgabe, die Schwingungen der Saite zu verstärken und den charakteristischen Geigenklang zu erzeugen. Die Ausarbeitung der einzelnen Teile und deren Zusammenwirken ist also maßgeblich für den Klang einer Geige. Typisch für die Streichinstrumente ist der Randüberstand von Boden und Decke über den Zargen im Gegensatz zu Gitarren und Gamben, die keinen Randüberstand besitzen. Für Reparaturen ist das ungemein von Vorteil. Auch werden die Zargen dadurch besser vor Stößen und Macken geschützt.

Decke – Sie wird immer aus Fichte hergestellt, wie im übrigen alle Resonanzplatten bei Saiteninstrumenten. Das liegt daran, dass die Fichte durch ihre natürliche Sandwichbauweise eine sehr hohe Elastizität im Verhältnis zu ihrem leichten Gewicht besitzt. Auffälligstes Merkmal sind die ausgeprägten Jahresringe, die mehr oder weniger breit ausgebildet sein können. Je nach Geschmack und Bauweise eines Geigenbauers wird jeder eine unterschiedliche Struktur bevorzugen. Auch die Decke wird aus massivem Holz geschnitzt und ist meist in der Mitte zusammengefügt, was aber durch die Jahresringstruktur kaum auffällt.

Boden – Er wird in 90 % der Fälle aus massivem Ahornholz geschnitzt. Dieses wird gerne geflammt, oder, wie die Schreiner sagen, geriegelt ausgesucht. Meist ist der Boden zweigeteilt, d. h. aus einem dickeren, aber nicht so breiten Stück, wie es für einen ganzen Boden nötig wäre, in der Mitte zusammengefügt. Das ergibt auch das schöne symmetrische Erscheinungsbild. Darüber hinaus wurde des Öfteren Pappelholz verwendet. In sehr wenigen Fällen kann man Erle, Kastanie oder ähnliches finden. In Frankreich war es auch eine Zeit lang üblich, die Böden (und Decken) in ihre Form zu pressen. Diese erwiesen sich aber nicht als sehr standfest. Die früher in der billigen Produktion häufig verwendeten Sperrhölzer sind immer seltener zu finden. Wenn, dann noch bei Celli und vor allem Kontrabässen.

Saiten – Die Geige besteht aus der g-, d-, a- und der e-Saite. Die e-Saite ist ausschließlich aus Stahl, die anderen aus Darm(empfindlich, lange Einspielzeit, man kann sie jedoch perfekt aufs Instrument abstimmen), Kunststoff(unempfindlich, kurze Einspielzeit)oder Stahl(billige Alternative) mit Metallumspinnung.

Steg – Er wird aus Ahornholz gefertigt und hat die Aufgabe, die Saiten im richtigen Abstand über dem Griffbrett zu halten und außerdem die Schwingung der Saiten auf die Decke zu übertragen. Er wird dazu nur zwischen die Saiten und die Decke eingeklemmt. Man könnte ihn fast zu den Verschleißteilen rechnen, da er stärksten Kräften ausgesetzt ist und sich oft verzieht. Zudem soll er oft veränderten Bedürfnissen in Klang und Spieltechnik angepasst werden. Ein gut gemachter Steg kann jedoch durchaus jahrelang seinen Dienst tun.

Feinstimmer – Er dient der Feinjustierung der Saitenspannung (der Tonhöhe) und wird auf unterschiedlichste Bauarten aus Metall gefertigt. Er ist allerdings bei Geige und Bratsche nur an den höchsten Saiten zu empfehlen, da jeder Feinstimmer eine erhebliche Massenzunahme bedeutet und außerdem die absolute Saitenlänge verkürzt. Will man jedoch trotzdem nicht auf den Komfort von vier Feinstimmern verzichten, so ist unbedingt ein Saitenhalter mit integrierten Feinstimmern zu empfehlen.

Saitenhalter – Er wird aus den gleichen Materialien hergestellt wie die Wirbel. Zusätzlich gibt es welche aus Plastik oder Leichtmetall, in denen für jede Saite ein Feinstimmer integriert ist. Der Saitenhalter kann erstaunlich großen Einfluss auf den Klang haben, da hier eine Masse direkt an den Saiten hängt, die dämpfend wirken kann. Hat man also Probleme mit der Ansprache oder ähnlichem, kann man durchaus, nach dem Motto ‘trial and error’ einmal einen anderen Saitenhalter ausprobieren.

Kinnhalter – Sie gibt es in den unterschiedlichsten Modellen, für fast jedes Kinn eines. Mit ihm soll das Halten des Instrumentes erleichtert werden. Da das Instrument nicht mit der Hand gehalten werden soll, muss es dem Kinn möglich sein, das Instrument bequem gegen die Schulter zu drücken (festzuklemmen). Früher gab es so was noch nicht und ist darum bei barocker Spielweise verpönt. Der Kinnhalter ist nur an den Rand des Instrumentes mittels Schrauben festgeklemmt. Da der Druck auf das Instrument durch die Schrauben und den Spieler schädlich sein können, sind die Kinnhalter, die über den Saitenhalter zu befestigen sind, aus Geigenbauersicht vorteilhafter, da hier der Druck von dem darunter liegenden Unterklotz besser aufgenommen werden kann.

Schulterstütze – Auch die Schulterstütze dient dem besseren Halten des Instrumentes. Sie wird nur zum Spielen an das Instrument geklemmt. Leider verursachen auch die Schulterstützen des öfteren Schäden am Instrument. Darum ist auf guten Halt und unversehrte Schutzgummis zu achten. Auch dieses Accessoire bei barocker Spielweise lieber weglassen.

Knopf – Er ist aus Ebenholz und wird nur in den Unterklotz gesteckt. An ihm wird die Anhängesaite des Saitenhalters befestigt. Wird ein Instrument abmontiert, so erlaubt das Loch im Unterklotz einen Blick ins Innere. Dies wird vor allem beim Einpassen des Stimmstockes genutzt.

Hals – Er wird massiv aus demselben Material wie Boden und Zargen geschnitzt (i. d. R. Ahorn). Zum Hals gehören auch die Schnecke und der Wirbelkasten. Der Hals wird mit einer Schwalbenschwanzverbindung in den Oberklotz eingelassen. Früher wurde bei barocker Bauweise der Hals nur auf die Zargen aufgesetzt und von innen mit Nägeln befestigt. Doch im Laufe der Zeit wurde Länge und Winkel des Halses so vergrößert, dass eine stabilere Verbindung notwendig wurde. Die Ausarbeitung des Halses spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, ob sich ein Spieler auf seinem Instrument wohl fühlt oder nicht. Auch das Lagenspiel wird durch einen gut gearbeiteten Hals wesentlich erleichtert.

Zargen – Sie werden aus demselben Material wie Boden und Hals gefertigt (i. d. R. Ahorn). Bei Geigen beträgt die durchschnittliche Dicke 1 mm. Bei Celli erhöht sie sich unwesentlich auf 1,8 – 2 mm. Diese dünnsten Brettchen werden an einer heißen, zylindrischen Metallform gebogen und sind also nicht massiv geschnitzt.

Reifchen – Die Reifchen sind eine Verstärkung der Zargen mit dem Sinn die Leimfläche für Boden und Decke auf den Zargen zu erhöhen. Sie werden wie die Zargen gebogen und dann an die Zargen verleimt. Im Mittelbug werden sie zudem in die Eckklötze eingelassen. Das Material kann unterschiedlich sein, im Normalfall aber aus demselben Material wie die Klötze. In meinem Fall ist das Lindenholz.

Bassbalken – Der Bassbalken wird aus Fichtenholz gefertigt. Er wird an die Decke angepasst und verleimt. Er verläuft unterhalb des linken Stegfußes (Bassseite) fast parallel zur Mittelachse des Instrumentes. Seine Funktion besteht darin, die Decke statisch zu stützen, d. h. dem hohen Saitendruck eine Kraft entgegenzusetzen. Deshalb wird er auch gerne mit einer gewissen Spannung eingepasst. Da der Saitendruck seit den Anfängen der Geige stetig gewachsen ist, wurde der Bassbalken im Laufe der Zeit immer stärker ausgelegt. Des Weiteren wird behauptet, dass er auch zum besseren Verteilen der Schwingungen auf der Decke eine Funktion erfüllt. Es gibt Meinungen, die besagen, dass die Bassbalken mit der Zeit ihre Spannung verlieren und deswegen ab und an erneuert werden müssten. Dies kann ich aus keinerlei eigener Erfahrung bestätigen.

Stimme – Dieses Rundhölzchen wird aus Fichtenholz gefertigt und wird zwischen Boden und Decke in das Innere des Korpus eingeklemmt. Es ist in der Nähe des rechten Stegfußes positioniert. Seine Aufgabe ist es, die Schwingungen des Steges bzw. der Decke auf den Boden zu übertragen und die Schwingungsrichtung (im Prinzip) von Boden und Decke gleichzuschalten. Der Stimmstock muss gut eingepasst sein, da er durchaus sonst Schaden an Boden und Decke anrichten kann, wenn er mit zu viel Kraft und an der falschen Stelle aufgestellt wird. Durch die Position des Stimmstockes kann der Klang des Instrumentes beeinflusst werden: Insbesondere das Gleichgewicht zwischen hohen und tiefen Saiten und ferner die Lautstärke eines Instrumentes. Ein zu streng eingepasster Stimmstock kann ein Instrument in seiner Schwingungsfähigkeit und somit in seiner Klangentfaltung hemmen. Die Ausrichtung des Stimmstockes kann also nicht grundlegend den Charakter eines Instrumentes verändern, aber innerhalb seiner Möglichkeiten einen optimalen Zustand herstellen. Dazu ist es nötig, dass der Musiker mit gutem Gehör und einer Wunschvorstellung in Zusammenarbeit mit dem Geigenbauer die richtige Positionierung herausfindet, Methode: Trial and Error!

Ober-, Unter- und Eckklotz – Man unterscheidet zwischen Ober-, Unter- und Eckklötzen. Sie können aus unterschiedlichsten Materialen eines leichteren Holzes bestehen. Üblich sind Fichte, Weide, Pappel oder in meinem Fall Linde. Sie stabilisieren den Zargenkranz. Der Oberklotz nimmt zudem den Halsfuß, der Unterklotz den Endknopf bzw. beim Cello den Stachel auf.

Lack – Masse, die mit der Saitenschwingung zusätzlich in Bewegung gesetzt werden muss. In erster Linie dient die Lackierung natürlich dem Schutz des Holzes. Er wirkt sich natürlich maßgebend auf das Erscheinungsbild des Instrumentes aus. Durch die unterschiedlichen Einfärbungen werden die Instrumente für jeden am offensichtlichsten geprägt. Grundiert wird u. a. mit Leinöl, Eiweißtempera und Leimlösungen. Der eigentliche Lack wird als Alkohol-, Öl-, oder Mischlack aufgetragen. Das bedeutet, dass verschiedene Harze wie z. B. Mastix, Sandarak, Benzoe, Myrrhe oder auch Schelllack und Bernstein gelöst werden, für den Farblack eingefärbt werden und dann meist mit einem Pinsel aufgetragen werden. Gemeinhin wird eine Lackierung als gut empfunden, wenn eine schöne Färbung tief im Grund sitzt, ohne in das Holz einzudringen und der Lack geschmeidig ist (d. h. nicht spröde) ohne bei wärmerem Wetter gleich klebrig zu werden. Je nach Lack kann eine Instrumentenlackierung aus 3 – 15 Schichten bestehen.

Kernmaterial der Saiten:

Darm: Ihnen wird auch heute noch der wärmste Ton zugesprochen. Allerdings muss man bei Darmsaiten einige Abstriche bei Haltbarkeit und Empfindlichkeit gegenüber Wärme und Feuchtigkeit machen. Auch muss man sie längere Zeit einspielen, bis sie ihren endgültigen Klang konstant entfalten. Dafür sind sie in vielen unterschiedlichen Stärken erhältlich und eröffnen somit die Möglichkeit einer perfekten Abstimmung auf ein bestimmtes Instrument.

Kunststoff: (Nylon, Perlon etc.) Sie scheinen langsam die Darmsaiten zu verdrängen. Kontinuierliche Fortentwicklungen lassen sie klanglich immer näher an die Darmsaiten rücken. Preislich können diese einer guten Darmsaite entsprechen. Die großen Vorteile der Kunststoffsaiten liegen in den kurzen Einspielzeiten und der Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit und Wärme. Sie verstimmen sich viel weniger und sind viel weniger gefährdet, ganz zu zerreißen.

Stahl: Für die Geige ist sie eine billige Alternative aber mit sehr scharfem Klang und unangenehmen Gefühl unter den Fingern, wegen der hohen Spannung und den dünnen Stärken. Für das Cello ist es aber eine ernstzunehmende Alternative und eigentlich eher der Normalfall. Aber auch hier werden zurzeit gute Kunststoffsaiten auf den Markt gebracht.

Umspinnung: Wie oben erwähnt, werden die Kernmaterialien der Saite mit diversen Materialien umsponnen. Es sind diese Metalle, nach denen die Saiten weiter unterschieden werden. In der Hauptsache wäre da das Aluminium. Dann kommen Silber, Gold, Wolfram, Kupfer und so weiter, alle mit ihren spezifischen klanglichen Eigenschaften. Die Umspinnung ist der eigentliche empfindliche Teil der Saite. Er wird von den Fingern und dem ständigen Kontakt zum Holz des Griffbrettes punktuell abgenutzt. Häufig löst sich dann die Umspinnung an einer Stelle und beginnt sich abzuwickeln. Das kommt besonders häufig vor, wenn einmal die Spannung der Saite komplett gelöst wurde. Es ist allerdings ein Zeichen, das die Saite schon alt war und sowieso nicht mehr klanglich das gebracht hat, was der Saitentypus normalerweise eigentlich könnte. Die meisten Saiten werden in 3 verschiedenen Stärken geliefert. Darmsaiten werden allerdings in wesentlich feineren Stärkenabstufungen geliefert. Mit den unterschiedlichen Stärken kann man die Ansprache und die Klangfülle eines Instrumentes beeinflussen. Generell kann man sagen, dass dünnere Saiten besser ansprechen, eine höhere Spannung haben aber nicht so viel Klangvolumen erzeugen können. Dazu im Gegensatz die dickeren Saiten eben schlechter ansprechen, eine geringere Spannung haben, dafür aber mehr Klangvolumen erzeugen können, sofern das Instrument dies hergibt.